Der iranische Automobilmarkt war bis Anfang 2014 aufgrund bestehender Sanktionen kein Thema für die westliche Automobilindustrie. Nachdem im Atomstreit eine Lockerung eingetreten ist, rückt der Iran als Exportmarkt wieder mehr in das Bewußtsein. Mit ca. 70 Mio. Konsumenten ist es einer der größten Märkte im mittleren Osten.

Iranische Konsumenten sind nach den langen und tiefen Einschnitten durch Sanktionen stark unterversorgt. Die lokale Automobilindustrie hat unter den Sanktion erheblich gelitten und viele lokale Player (meist Montagewerke) mussten schließen. Auch die größeren Akteure wie Iran Khodro konnten nur durch staatliche Unterstützung überleben. Der iranische Markt hat enormes Nachholpotential. Allerdings muss dazu auch die Investitionsfreudigkeit der Konsumenten wieder steigen. Gegenwärtig haben iranische Haushalte ein durchschnittliches jährliches Einkommen von ca. 5.000 USD. Damit ist auch klar, dass der Massenmarkt im Iran auf preiswerteren Modellen liegt.

Der PkW-Markt wird von lokalen iranischen Akteuren dominiert

Im Iran gibt es vier größere Akteure:
1.    Iran Khodro
2.    Saipa
3.    Bahman
4.    Kerman Automotive.

Daneben gibt es eine weitere Montagefabriken. Iran Khodro and Saipa haben eigene Marken, montieren aber auch viele Modelle in Lizenz oder im Rahmen einer Partnerschaft. Viele Zulieferer sind mit den Top-2 der iranischen Automobilwirtschaft verbandelt.

Generell ist die Automobilindustrie staatlich dominiert. Zwar sind die Top-2 an der Börse notiert, aber der Free Float ist recht gering. Der Staat hat weiterhin das Sagen und übt auch auf sonstige Weise Einfluss auf die Akteure aus. Ohne Partnerschaft mit lokalen Playern geht es aber im Iran nicht, schon alleine aufgrund der sehr hohen Zölle auf Komplettimporte.

Die Verkaufszahlen liegen bei ca. 1 Mio. Pkw pro Jahr; allerdings werden nur die Produktionszahlen offiziell getrackt. Wir erwarten, dass diese Zahlen substantiell steigen werden. Präferierte Marken sind lokale Marken und französische Modell, vor allem Peugeot.

Aufgrund sehr hoher Zölle macht der Komplettimport nur bei Premium-Modellen Sinn. Für alle anderen Modelle muss ein lokaler Montagepartner gewählt werden, um den Endverkaufspreis vertretbar zu halten. Die verkaufsmäßige Kompletterschließung des Iran ist schwierig, da es viele dünn besiedelte Gebiete gibt. Die besten Netzwerke haben die lokalen OEM. Allerdings gibt es sehr dicht besiedelte Gebiete die man mit wenigen Autohäusern gut erschließen kann. Man kann also auch mit anderen Partnern erfolgreich sein.

Zu beachten ist, dass Autogas eine wichtige Rolle spielt und ca. 30% des Pkw-Bestands ausmacht. Wenn man die Breite des Marktes avisiert, muss man dafür entsprechende Lösungen bieten.

Der Autobestand ist sehr alt. Diese Situation ist vergleichbar mit anderen Ländern in der Region. Allerdings ist im Iran der Import von Gebrauchtwagen verboten und es gibt zumindest regelmäßige technische Kontrollen. Da aktuell die lokale Produktion massiv ausgeweitet wird, wird sich der Autobestand sukzessive verjüngen. Gegenwärtig ist der Iran das Land mit den meisten Todesfällen im Straßenverkehr (relativ). Es ist erklärtes Ziel, dies in den nächsten Jahren zu ändern.

Die großen lokalen Akteure im Pkw-Markt haben umfassende Servicenetze. Es gibt allerdings keinen professionellen unabhängigen Aftermarket. Vielmehr gibt es zahlreiche mehr oder weniger professionelle Werkstätten. Die Servicequalität der Werkstätten von OEMs wird regelmäßig geprüft durch das Institute of Standards and Industrial Research of Iran (ISIR). Neben Tests der Modelle werden diese Ergebnisse veröffentlicht und sollen den Konsumenten eine gute Richtlinie bei der Entscheidung für eine Marke geben.

LkW-Markt im Iran wird wachsen

Anders als im PkW-Markt sind locale OEM nicht die führenden Player. Sowohl bei den leichten, mittleren als auch schweren LkW und den Zugmaschinen sind ausländische Marken wie Isuzu und Scania marktführend. Auch in diesem Markt ist es sinnvoll, lokal zu montieren. Der Druck ist allerdings nicht ganz so hoch, da die Zölle für Komplettimporte deutlich niedriger sind als im Pkw-Markt.

Der iranische Busmarkt ist 2013 quasi vollständig zusammen gebrochen. Hier ist ein starkes Wachstum zu erwarten, da Nachholinvestitionen bevorstehen.

Genauso wie im PkW-Markt wird auch im LkW-Markt die Qualität der Serviceorganisation durch offizielle Stellen untersucht. Eine Abdeckung über Partner oder mobile Einheiten im Notfall ist wichtig, um den reibungslosen Einsatz der LkW landesweit sicher zu stellen.

Die Marktstudie Automobilindustrie im Iran 2014 bis 2020 ist in englischer Sprache abgefasst. Die Studie kann direkt bei Globis Consulting bestellt werden

Orderform_Automotive_Report_Iran_2020

Das Inhaltsverzeichnis zum Marktstudie über den iranischen Automobilmarkt finden Sie in auf der englischen Globis-Seite.